Einfach Kaffee

02.01.2014

Drei Kaffeekannen: große French Press, kleine French Press, Bialetti Brikka

Ich mag Kaffee. Als Experten für das Thema würde ich mich nicht bezeichnen wollen aber seit ich vor einigen Jahren diesen Podcast hörte, versuche ich mich zumindest auf Wikipedia-Artikel-Niveau zu bewegen, was Kaffeekenntnisse angeht und zumindest ein wenig auf die Qualität meiner Koffeininfusionen zu achten. Ich hege nicht den Anspruch, exzellenten Kaffee machen zu können. Das überlasse ich lieber Profis, außerdem steht mir da auch die eigene Faulheit im Weg.

Die ersten Jahre meines Kaffeekonsums wurde ich antürlich erst einmal mit zweitklassigem Filterkaffee, den der Hausmeister meines Gymnasiums in seinem kleinen Imbiss ausschenkte. Zum sonntäglichen Frühstücksbesuch bei Mutti gab es zum Glück Kaffee aus der French Press, auch bekannt als "Bodumkanne" oder Pressstempelkanne. Während des Studiums kehrten rustikalere Zustände ein und es wurde hauptsächlich direkt in der Tasse aufgebrüht. Geht schnell, schmeckt akzeptabel hat aber den Nachteil, dass der Kaffeesatz den letzten Schluck zum Glücksspiel macht und nach einigen Tagen im Zimmer des Mitbewohners auch ein Eigenleben entwickelt. Nach dem fehlgeschlagenen Experiment einer wirklich sehr schlechten Siebträgermaschine schaffte ich mir dann selbst eine billige French Press an, die ich bis heute nutze, die aber auch deutlichen Verschleiß zeigt.

Womit wir in der Gegenwart angekommen wären. Das Foto dort oben zeigt die drei "normalen" Kaffeebraugeräte, die meine Küche bevölkern. Von groß nach klein:

Die billige French Press

Das Prinzip dieser Kanne ist simpel: 1. grob gemahlenen Kaffee reinschütten 1. wenn gewünscht den Kaffee würzen Ich gebe gerne eine kleine Prise Salz, Cayenne-Pfeffer und Zimt dazu. 1. heißes Wasser aufgießen 1. umrühren 1. 30s warten, 1. erneut umrühren 1. Stempel runterdrücken

Das Ergebnis ist (im Idealfall) krümelfreier Kaffee, der dankt der vollständigen Umhüllung mit Wasser deutlich mehr Aroma behält als normaler Filterkaffee. Gleichzeitig kann er direkt aus der Kanne eingeschenkt werden, weniger Abwasch also. Erwähnte ich bereits meine Faulheit? Ja? Gut.

Die Reinigung ist auch schnell erledigt: Den Kaffeesatz mit Wasser ausspülen, dann heißes Wasser mit etwas Spülmittel einfüllen und de Stempel ein paar mal auf und ab bewegen. Danach Kanne und Stempel mit klarem Wasser abspülen. Alle paar Tage sollte gründlicher geputzt werden. Dazu den Stempel abschrauben und die drei Teile, in die er zerfällt, mit Spülmittel und Schwamm putzen. Darin, wie einfach und zuverlässig der Stempel zu zerlegen ist, zeigt sich unter anderem die Qualität der Kanne. Der Stempel sollte komplett aus Metallteilen bestehen, da sonst bei häufigem Reinigen die Gewinde ausleiern.

Selbst die Komplettreinigung dauert mit routinierter Hand nicht länger als 2 Minuten.

Die Bialetti Brikka

Der klassische und fälschlicherweise sogenannte "Espressokanne" nach Alfonso Bialetti, auch bekannt als "Mokkakanne" oder "Herdkännchen", ist eines der Geräte, die den Kaffee mittels Dampf extrahieren. Das Modell "Brikka" hat eine Besonderheit: Auf dem Ventil, durch das der fertige Kaffee austritt liegt ein Gewicht. Dadurch staut sich im Kaffee Pulver mehr Druck und die Extraktion wird dem Espresso einer Siebträgermaschine etwas ähnlicher. Und es klappert laut, wenn der Kaffee fertig ist. :)

Hier ist das Vorgehen etwas komplizierter: 1. Wasser vorheizen, z.B. im Wasserkocher 1. fein gemahlenen Kaffee in das Sieb geben und leicht verdichten (wirklich nur ganz leicht) 1. heißes Wasser in den unteren Teil der Kanne füllen 1. Kanne zusammenschrauben 1. Kanne auf die Herdplatte stellen 1. warten bis das laute Zischen eintritt und wieder aufhört 1. den Kaffee möglichst schnell umgießen, da er sonst leicht verbrannt schmecken kann

Das Reinigen ist zwar eigntlich ganz einfach – Ausspülen mit klarem Wasser reicht bei täglicher Benutzung – aber die Kanne muss erst abkühlen. Da greift dann meine Vergesslichkeit und Faulheit und die Kanne bleibt mindestens bis zum nächsten Tag stehen. bis dahin ist sie völlig verkrustet und muss komplett zerlegt und geputzt werden, was unter 5 Minuten kaum zu schaffen ist. Außerdem lagert sich im Wassertank durch das relativ harte Wasser hier in Berlin eine lästige Kalkschicht ab, die schwer zu entfernen ist.

Ein weiteres Problem ist bei mir, dass die Qualität des Kaffees, den ich mit der Bialetti mache, stark schwankt. Mit der French Press sind meine Ergebnisse, zumindest nach meinem Geschmack, konsistenter und auch insgesamt besser.

Kleine French Press (Bodum)

Mittlerweile ist der Stempel meiner großen French Press ziemlich ausgeleiert und schließt nicht mehr so richtig dicht mit dem Glas ab. Das führt zu Krümeln im Kaffee und ist inakzeptabel. Außerdem ist sie einfach zu groß für meinen Bedarf von ein oder zwei Tassen.

Daher habe ich mir eine original Bodum gegönnt, ein ganz kleine. Sie wird in Zukunft für meinen morgendlichen Kaffee zuständig sein und mit den Gang zum Coffeeshop sparen.

Noch ein Wort zum Kaffeepulver: Ich kann nur allen, die das noch nicht tun, ans Herz legen, die Kaffeebohne selbst zu mahlen. Abgepacktes, gemahlenes Pulver ist wahrscheinlich der Hauptgrund für schlechten Kaffee in vielen Haushalten. Nach dem Mahlen verliert Kaffee schnell sein Aroma und ist irgendwann nur noch bitter. Ich habe verschiedene Empfehlungen gehört, wie lange das Pulver aufbewahrt werden kann, aber mehr als 24 Stunden (gekühlt) sollten es auf keine Fall sein. Ich selbst mahle inzwischen immer frisch und will auf keinen Fall wieder zurück zu fertig gemahlenem Kaffee. Es lohnt sich, um den Geschmack nicht zu ruinieren und um verschiedenen Mahlgrade (grob/fein) probieren zu können und schließlich benötigen verschiedene Zubereitungsarten auch verscheiden fein gemahlenes Pulver. Im Prinzip ist jede Mühle besser als gar keine, für gute Ergebnisse sollte es aber eine mit konischem Mahlwerk sein. Die meisten Handmühlen haben eines und auch elektrische sind relativ günstig zu haben. Von elektrischen Mühlen mit Schlagmahlwerk (im Prinzip rotierende Messer) ist abzuraten, da sie den Kaffee beim Mahlen erhitzen und so bereits Aroma zerstören. Ich verwende eine Graef CM80 und bin sehr zufrieden. Sie hat zwar ein paar Eigenheiten, ist dafür aber auch preiswert und liefert gute Ergebnisse.

Zu Siebträgern

Siebträger gelten ja allgemein als die RICHTIGE™ Art, Kaffee zuzubereiten. Das mag in Sachen Qualität vielleicht stimmen aber einerseits ist die Ausrüstung dafür reichlich teuer, wenn sie halbwegs etwas taugen soll und es dauert einfach zu lange und es gibt zu viel zu putzen. Meiner Meinung nach sind Siebträger etwas für professionelle Gastronomie oder echte Kaffeeliebhaber, die bereit sind, Geld und Aufwand zu investieren. Für mich, der ich einfach nur morgens einen halbwegs guten Kaffee möchte, ist es das nicht Wert, wenn ich mit meiner French Press, die im Vergleich quasi nichts kostet schneller zu meinem gewünschten Ergebnis komme.

Ich denke, ich habe nach einigen Experimenten mit der French Press meine bevorzugte Methode für zuhause gefunden und werde vorerst dabei bleiben. Hätte ich das doch nur schon vor 15 Jahren an Muttis Frühstückstisch begriffen …