Lnwdr

Tschüss, Google.

22.03.2013

Wie die meisten sicherlich mitbekommen haben, veröffentlichte Google kürzlich Pläne, wieder einmal ein paar Dienste einzustellen. Unter anderem wird der Google Reader ersatzlos gestrichen:

We launched Google Reader in 2005 in an effort to make it easy for people to discover and keep tabs on their favorite websites. While the product has a loyal following, over the years usage has declined. So, on July 1, 2013, we will retire Google Reader. Users and developers interested in RSS alternatives can export their data, including their subscriptions, with Google Takeout over the course of the next four months.

Ein weiteres Feature, dass wegfallen wird, ist der Zugriff auf den Google Kalender per CalDAV. Statt dieses offenen Standards, den nahezu alle Kalender-Clients beherrschen, will Google ihre eigene Calendar API verwendet sehen:

CalDAV API will become available for whitelisted developers, and will be shut down for other developers on September 16, 2013. Most developers’ use cases are handled well by Google Calendar API, which we recommend using instead.

In diesem Licht wirkt das nachgereichte Statement fast schon als Farce:

Update March 15, 2013: We worked with the developers who provide 98 percent of our current CalDAV traffic to assure access to the CalDAV API, which means many popular products will not be impacted. We remain committed to supporting open protocols like CalDAV.

Google scheint mir seit einiger Zeit in eine Richtung zu gehen, die immer weiter weg von etablierten Standards und hin zu geschlossenen Systemen führt. Es werden gut funktionierende Systeme zerstört, um die eigenen Produkte zu fördern. Einen ähnlichen Schritt machte Google bereits im vergangenen Winter, als sie den Gmail-Zugriff per MS-Exchange einstellten. Zugegeben, Exchange ist alles andere als ein offener Standard. Es ist aber ein Protokoll, dass von allen Smartphones und vielen Desktop-Clients unterstützt wird und das in vielen Unternehmen etabliert ist.

Damals verkündigte Google noch großspurig, dass Exchange durch die offenen Protokolle IMAP, CalDAV und CardDAV abgelöst werden sollte:

Google Sync was designed to allow access to Google Mail, Calendar and Contacts via the Microsoft Exchange ActiveSync® protocol. With the recent launch of CardDAV, Google now offers similar access via IMAP, CalDAV and CardDAV, making it possible to build a seamless sync experience using open protocols.

Jetzt, nur wenige Monate später, wird ein integraler Betandteile eben dieses Setups eingestellt.

Das alles zeigt eines: Auf die Verfügbarkeit von Googles Diensten ist kein Verlass. Google kann kurzfristig anders entscheiden und ein eben noch angepriesenes Produkt kurzerhand einstellen. Die Google-Dienste, die ich einsetze, stellten jedoch alle zentrale Bestandteile meines digitalen Lebens dar:

Dass ich mich nicht darauf verlassen kann, dass diese Dienste weiter zur Verfügung stehen werden, brachte mich zu der Entscheidung, mir Alternativen zu suchen, und Google den Rücken zu kehren. Ebenso wollte ich nicht von einem unzuverlässigen, werbefinanzierten Anbieter zum Nächsten wechseln.

Das bedeutete entweder, selbst zu hosten oder einen Anbieter zu suchen, der nicht durch Werbung getragen wird. Einen eigenen Mailserver zu betreiben, kam für mich nicht in Frage. Das hätte einfach zu viel Aufwand bedeutet, da ich mich erst intensiv hätte einlesen müssen. Für Mail musste also ein fertiger Dienst her. Ein Kollege erzählte mir seit Jahren schon immer wieder gutes über Fastmail, wo ich mir erst einmal einen Probeaccount klickte und ziemlich schnell überzeugt wurde. Die knapp 40 Dollar für ein Jahr Email-Hosting unter meiner eigenen Domain waren schnell investiert.

Ich hatte mir auch ander Mailhoster angeschaut, z.B. Rackspace, deren Kosten sich auf ähnliche Beträge beliefen. Auch Microsofts eigenes Exchange-Hosting wäre nicht günstiger gwesen und die Konditionen und Features dieses Angebots waren mir zu undurchsichtig.

Blieb also das Problem, Kalender und Adressbuch zwischen meinen zwei Rechnern und dem iPhone zu synhronisieren. Da CalDAV und CardDAV letztendlich Erweiterungen von WebDAV sind und damit auf HTTP aufsetzen, entschied ich mich dazu, diese beiden Dienste selbst zu betreiben. Einen eigenen Server und eine Domain hatte ich ja schon.

Es existieren etliche CalDav/CardDAV-Server und ich gab Baïkal und ownCloud eine Chance. Leider laufen beide auf PHP, aber den Kompromiss musste ich dann eben eingehen. Nachdem Baïkal wegen extrem dünner Dokumentation nicht wirklich angenehm aufzusetzen war, blieb ownCloud übrig. Es ließ sich schnell einrichten, kam zum Glück auch mit SQLite statt MySQL aus und dass ich die ganzen Features in ownCloud, die ich nicht benötige, einfach abschalten konnte, hat weiter überzeugt.

Nun habe ich also ein Setup für Mail, Adressen und Kaledner, das vollständig ohne Google oder ähnliche Dienste auskommt. Für das RSS-Problem bin ich zuversichtlich, vor dem endgültigen Tod des Readers eine ebenfalls selbst gehostete Lösung parat zu haben. Danach heißt es:

Tschüß, Google. Es war eine schöne Zeit mit dir, aber das mit uns beiden funktioniert einfach nicht mehr. Wir haben uns auseinander gelebt.

Auch ich habe weggesehen

27.01.2013

Auf Twitter ging in den letzten Tagen der Hashtag #aufschrei um. Unter diesem Stichwort berichteten vorrangig Frauen von ihren Erlebnissen mit alltäglichem Sexismus, Belästigungen bis hin zu tätlichen Übergriffen. Es war zumindest soweit ich mich erinnern kann, die größte öffentliche Ansammlung solcher Erfahrungsberichte bisher.

Eine Debatte um Sexismus ist in Deutschland ja nun nichts neues. Seit den Jahrzehnten flammen diese Diskussionen immer wieder auf, in den letzten Jahren gefühlt besonders häufig. In meiner Wahrnehmung werden sie allerdings oft auf einem sehr abstrakten Niveau geführt. Es geht um Dinge wie geschlechterneutrale Sprache oder wieder einmal um eine Neudefinition des Begrifft "Feminismus", um nur zwei Beispiele zu nennen. Oft kommt dann von vielen die Reaktion "Als ob wir keine wichtigeren Probleme hätten".

Die Konzepte, um die es ging, waren oft einfach zu weit weg von der breiten Masse, als dass diese sich dafür wirklich hätte interessieren können. Und wenn ich ehrlich bin, viel es auch mir oft schwer, mich damit zu befassen. Sicherlich waren und sind diese Probleme für viele Menschen wichtig aber mir erschienen sie oft relativ weit von meiner persönlichen Realität entfernt. Ob das an Ignoranz meinerseits lag, kann ich nicht sagen. Vielleicht hatte ich auch einfach durch Zufall keine direkt an den diskutierten Problemen interessierten Leute in meinem unmittelbaren Umfeld.

Als nun aber zahllose Frauen auf Twitter von ihren Erfahrungen berichteten, hatte ich zum ersten mal das Gefühl, dass das alles ständig um mich herum stattfindet. Zudem drängte sich mir die Vermutung auf, dass die Zahl derjenigen, die nicht über ihr Erlebnisse berichten, vermutlich deutlich höher sein dürfte und dass in meinem Bekanntenkreis wahrscheinlich etliche solche Erfahrungen machen mussten.

Ich kannte die konkrete Schilderung verbaler oder tätlicher Übergriffe in dem Maße bisher nur aus den Sexismusdebatten anderer Länder, USA und Großbritannien zum Beispiel, und war regelmäßig geschockt von den Zuständen die dort herrschen. Ich hatte den Eindruck, dass wir im Großen und Ganzen schon einen Schritt weiter wären und es uns inzwischen leisten könnten, über die feineren Details von Sexismus zu diskutieren.

Offenbar ist dem nicht so. Und dass ich mich zu dieser Annahme hatte verleiten lassen ist vermutlich auch nur ein Beispiel dafür, die eigene Gesellschaft und Kultur anderen gegenüber für überlegen zu halten, obwohl sie es nicht ist.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir auf, dass auch ich oft weggesehen habe und dass auch oft ich nichts gesagt habe wenn jemand frauenverachtende Witze riß oder eine sexistische Weltanschauung vertrat. Auch ich habe es mir in der Ignoranz bequem gemacht und es brauchte erst den Mut vieler Frauen, öffentlich zu berichten, was ihnen widerfahren ist, um mir das klar zu machen.

Mir war zwar auch vorher schon bewusst, dass wir immer noch in einer zutiefst vorurteilsbehafteten Gesellschaft leben, in der es viele schwerer haben, die nicht weiß, männlich und heterosexuell sind, aber dass es immer noch so schlimm ist, war mir nicht wirklich klar, obwohl es eigentlich offensichtlich ist.

Insofern hat der "Aufschrei" auf Twitter, der es mittlerweile ja sogar in die Printausgaben vieler Tageszeitungen geschafft hat, bei mir schon etwas bewirkt, nämlich mindestens einen gehörigen Realtätsabgleich und hoffentlich in Zukunft eine höhere Aufmerksamkeit und weniger Ignoranz.

Dafür kann ich mich nur bedanken auch wenn es eine unangenehme Lektion war.


Zwei Dinge noch bevor die üblichen Einwände kommen:

  1. Mir ist bewusst, dass nicht nur Frauen mit Sexismus zu kämpfen haben. Auch Männer stehen durch die ihnen zugedachten Rollen unter hohem Druck und viele haben darunter zu leiden. Viele der Probleme, mit denen Männer konfrontiert werden halte ich allerdings für eine direkte Konsequenz aus den Vorurteilen die unsere Gesellschaft Frauen gegenüber hat.

    Außerdem können nicht alle Probleme gleichzeitig behoben werden und wie es scheint ist der Sexismus gegenüber Frauen allein aufgrund der Masse der Betroffenen das derzeit drängendere Problem.

  2. Durch #aufschrei werden nicht alle Männer pauschal zu Tätern abgestempelt und mitbeschuldigt. Es handelt sich um Erfahrungsberichte, die eine Realität abbilden. Sie sollten meiner Meinung nach dazu anregen, die eigene Wahrnehmung nachzujustieren und zu überdenken.

Freie Tage statt Feiertage

31.10.2012

Heute ist Reformationstag. Laut Überlieferung nagelte heute vor 495 Jahren Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg.

In Deutschland ist heute in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein gesetztlicher Feiertag. Warum?

Ich weiß, "chrstlich, abendländische Tradition" und so. Allerdings leben in den genannten Bundesländern eben nicht nur Menschen christlichen Glaubens und davon sind bestimmt nicht alle protestantisch.

Und was ist eigentlich mit jüdischen, muslimischen und anderen religiösen Festen? Wenn schon eine Glaubensgemeinschaft ihre Feiertage bekommt, müssten doch alle das gleiche Privileg genießen. Natürlich würde das zu einer endlosen Menge an Feiertagen führen, was volkswirtschaftlich eher unsinnig wäre.

Warum lassen wir die gesetzlichen Feiertage nicht einfach weg und erhöhen dafür die Menge an gesetzlich vorgechriebenen Urlaubstagen um eine entsprechende Anzahl? Dann können alle selbst entscheiden, welche Feste sie feiern (oder verschlafen) wollen. Wer auf die religiösen Feiertage besteht, kann sie sich ja immer noch frei nehmen. Dann wird auch einmal deutlich wieviel den Menschen wirklich an diesen Tagen liegt, wenn sie sich plötzlich zwischen ihnen und einem längeren Jahresurlaub entscheiden müssten.

Und wenn wir schon dabei sind, können wir das gleiche auch mit dem Nationalfeiertag, dem Tag der deutschen Einheit, machen. Wer nutzt denn diese Tage, egal ob religiöser oder politischer Natur, ernsthaft zum Gedenken an irgendetwas? Sie sind doch für die meisten einfach ein freier Tag, der manchmal wirklich ungünstig im Kalender sitzt.

Jetzt werden einige sicher denken: "Der ist doch nur neidisch, weil er heute arbeiten muss." - Nein, bin ich nicht. Ich habe anstelle des Reformationstages bereits einen frei beweglichen Urlaubstag mehr und ich finde das gut so. Heute frei machen zu müssen, käme mir sogar eher ungelegen.

Ich wünsche trotzdem allen einen schönen Tag, ob er für euch nun etwas besonderes darstellt oder nicht. So, und jetzt gehe ich arbeiten.

Berlin-Festival 2012 – Tag 2

09.09.2012

Auf Tag 1 folgt Tag 2. Nach einer dringend notwendigen Schlafpause ging es gestern auf in die zweite Runde beim Berlin-Festival 2012. Diesmal in Begleitung. Es mussten also auch Geschmäcker abgestimmt werden. Ein Plan™ mit leicht verständlichen Prädikaten hat sich dabei bewährt:

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Berlin-Festival 2012 - Tag 1

08.09.2012

Hauptbühne

Heute startete das Berlin-Festival 2012 und ich war dabei. Nachdem ich vor ein paar Monaten erfahren hatte, dass Sigur Rós im Lineup stehen, hatte ich mich kurz durch den Rest der anwesenden Bands gehört und beschlossen, mir beide Tage des Festivals zu gönnen.

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